Kritik der Relationen

Kritik der Relationen

aus medienanthropologischer Perspektive

ein Workshop des Graduiertenkollegs Medienanthropologie an der Bauhaus-Universität Weimar vom 9.-11. Februar 2022

Call for Contributions

Das Denken in Relationen hat derzeit Konjunktur. Vor allem in den zeitgenössischen Sozial- und Geisteswissenschaften bilden Relationen einen zentralen begrifflichen, analytischen und methodischen Zugriff, durch den nicht zuletzt theoriepolitische Standpunkte jenseits klassisch-westlicher Ontologien eingenommen werden. Die Hinwendung zu Relationalität folgt dabei dem Anspruch, sowohl Essentialismen als auch anthropozentrischen Verkürzungen kritisch zu begegnen. Der Einsatz der Medienanthropologie ist es, in diesem Kontext insbesondere Verschränkungsweisen von Menschen und Medien in den Blick zu nehmen. Hierbei besteht die Grundannahme, dass die Relationen ihre jeweiligen Relata erst hervorbringen. Die Dezentrierung oder Durchstreichung eines der Welt entrückten, souveränen anthropos sowie jener Exzeptionalismen, die mit der Bemühung dieser Figur traditionellerweise einhergehen, markieren einen zentralen Aspekt medienanthropologischen Denkens. Gleichzeitig bietet die Fokussierung auf Vermitteltheit und Medialisierung auch Übergänge zu anderen relationalistischen Ansätzen, wie etwa Prozessphilosophien, Akteur-Netzwerk-Theorie und Neuen Materialismen. Mit der Verabschiedung des Menschen geht unterdessen auch die Abkehr von einem primordialen und selbstidentischen Subjekt einher. Stattdessen findet eine Hinwendung zu hybriden Existenzweisen und transversalen Gefügen statt. An die Stelle von Intentionalität und Transzendenz eines menschlichen Subjekts treten in relationalen Denkansätzen Immanenz und Situiertheit der wahrnehmenden, wissenden und handelnden Entitäten. Dabei werden klassische Theoreme der Präsenz und Unmittelbarkeit vor dem Hintergrund prozessualer Vermittlungsvorgänge neu hinterfragt.

 

Während es einerseits unbenommen ist, dass die Überführung ins Relationale als Kritik an einem essentialistischen Denken fungiert, stellt sich zugleich die Frage nach den Möglichkeitsbedingungen von Kritik innerhalb der oben skizzierten Neuausrichtung. Denn im kritischen Impetus gegen die urteilende und Werte setzende Instanz des Subjekts und in der Fokussierung auf zeitbasierte Verstrickungen menschlicher, technischer und weiterer Akteur_innen wird nicht nur Kritik an den zentralen Epistemen eines ‘weißen Humanismus’ geübt, sondern es kollabieren auch althergebrachte Grundfiguren kritischen Denkens und Handelns. Bis in Foucaults Machtanalytik hinein wurden Subjekte zwar als Gegenstand von Mächten begriffen, die es zu kritisieren galt, zugleich blieb das Subjekt aber auch Akteur_in und Informant_in kritischer Verfahren. Nicht zuletzt in der (subjektiv umzusetzenden) Distanzierung wurde das politische oder ethische Potenzial, Kritik zu üben und produktive Desintegration zu betreiben, verortet. Somit eröffnet sich angesichts des Paradigmenwechsels hin zu einer Vorgängigkeit von Immanenz und Relationalität die Frage, wie Kritik noch möglich sein kann, wenn eine solche Distanznahme sowohl theoretisch als auch praktisch eingeklammert oder gänzlich getilgt wird. Als Konsequenz der Destabilisierung von Kategorien wie Mensch, Subjekt oder Selbst müssen neue Orte, Positionen, Existenzweisen und Praktiken von Kritik in den Fokus genommen werden – wenn nicht sogar die Möglichkeitsbedingungen derselben.

 

Ausgehend von diesen Überlegungen wählt der Workshop unter dem Titel “Kritik der Relationen // aus medienanthropologischer Perspektive” zwei Zugänge zum Themenfeld: Einerseits geht es um die Möglichkeit von Kritik durch, andererseits um eine kritische Befragung der relationalen Denkansätze. Ebenso wie mit dem kritischen Potenzial – das relationale Theorie-Projekte wie die Medienanthropologie bergen – möchten wir uns gemeinsam mit den Teilnehmer_innen des Workshops damit befassen, wie kritisches Denken und Handeln innerhalb relationaler Ontologien und unhintergehbarer Immanenz unter Druck geraten und wie sie neu gefasst werden könnten. Fragen, die sich aus dieser zweifachen Problematisierung ergeben, lauten demnach: Welcher Kritikbegriff ist im Kontext eines relationalen Denkens noch haltbar? Welche Ideen von Kritik werden affirmiert oder verabschiedet, aktualisiert oder implizit mitgeführt? Wie lässt sich Kritik aus der Immanenz heraus konzipieren, praktizieren und denken? Was sind konkrete Szenen, Akteur_innen und Aktanten, Medien und Materialitäten sowie Milieus für relationale Kritik?

 

Wir möchten Wissenschaftler_innen aller akademischer Qualifizierungsphasen und mit verschiedenen theoretischen Hintergründen einladen, einen Beitrag zum Thema “Kritik der Relationen” einzureichen. Mögliche Felder, aus denen heraus Fragestellungen konzipiert und verhandelt werden können, sind neben der Medienwissenschaft beispielsweise Ästhetik, Politische Theorie, Cultural Studies, Soziologie, Ökologie, Anthropologie, Philosophie und verwandte Bereiche. Auch Einreichungen, die über das sozial- und geisteswissenschaftliche Spektrum hinausreichen, sind willkommen. Konkrete Fragen könnten wie folgt lauten:

 

  • Inwiefern benötigen feministische und postkoloniale Theorien im Hinblick auf aktuelle Entwicklungen ein menschliches Subjekt oder zumindest dessen Potenzialität? Wäre in diesem Sinne die Abwendung von menschlichen Subjektivierungen sogar als ‘neuer weißer Humanismus’ auszuweisen?
  • Welche Antworten lassen sich darauf finden, dass die Fokussierung auf die Handlungsmacht menschlicher Akteur_innen im Zuge globaler ökologischer Krisen ebenso pragmatisch notwendig wie anthropozentrisch erscheint?
  • Inwiefern bedarf es eines neuen Verständnisses der ästhetischen Erfahrung und ihrer politischen Potenziale, wenn eine sinnliche Distanzierung nicht mehr als Bedingung für (Selbst-)Reflexion und als Gegenpol zu Immersionsmomenten ins Feld geführt wird?
  • Wer entscheidet wie über die Zugehörigkeit zu relationalen Gefügen, wenn diese die Subjekte als zentrale Entitäten ablösen?
  • Inwiefern finden sich Vorläufer eines (medienanthropologischen) Relationalitätsdenkens bereits in modernen kritischen Theorien angelegt, wie etwa im historischen Materialismus oder der Frankfurter Schule? Wo verlaufen hier Diskontinuitätslinien?

Der interdisziplinäre Workshop “Kritik der Relationen // aus medienanthropologischer Perspektive” wird vom 09. bis 11.02.2022 an der Bauhaus-Universität in Weimar stattfinden. Wir bitten um Einreichungen von Beiträgen zu diesem Thema in den folgenden Formatkategorien:

 

  • AUFZEIGEN & ABTASTEN: 20 Minuten Kurzvortrag mit anschließend 25 Minuten Diskussion 
    • Für einen Vortrag bitten wir um die Einreichung eines Abstracts (ca. 200 Wörter) und einer Kurzvita.
 
  • EINSAMMELN & AUSFALTEN: 60 Minuten moderierte Diskussion unter Panelist_innen
    • Um an einer moderierten Diskussion zu konkreten Fragen und Feldern des Workshops teilzunehmen (die je nach Beitragseinreichungen  im Vorfeld mit den Diskutant_innen abgesprochen werden), schildern Sie bitte kurz Ihr Interesse am sowie Ihren Zugriff auf das Workshopthema (max. 200 Wörter). Außerdem bitten wir um Zusendung einer Kurzvita.
 
  • MATERIALISIEREN: Werkstattgespräch über vorab bereitgestelltes Material. 5-10 Minuten Zusammenfassung und Einordnung durch die Impulsgeber_in, anschließend 40 Minuten Diskussion. Als Material bieten sich eigene oder fremde Texte, Videos, Podcasts, Bilder, Kunstwerke etc. an.
    • Um einen Impuls anzuleiten, senden Sie uns bitte das Material, das Sie vorstellen möchten, sowie eine kurze Vita zu. Falls das Material noch zu produzieren ist, können Sie alternativ eine Beschreibung dessen einsenden (ca. 200 Wörter). Das Material muss spätestens zwei Wochen vor dem Workshop (16.01.2021) allen Teilnehmenden zur Verfügung gestellt werden.
 

Wir bitten darum Einreichungen bis zum 24.10.2021 an call@kritik-der-relationen.de zu senden. Die hier aufgeführten Fragehorizonte und Themenfelder dienen als Handreichung und Inspiration. Wir laden herzlich dazu ein, eigene Vorschläge einzureichen. Der interdisziplinäre Workshop ist offen für Beiträge aus allen Fachrichtungen, sowohl in deutscher als auch englischer Sprache. Weiterhin richtet sich dieser Workshop dezidiert an Wissenschaftler_innen in frühen Qualifizierungsphasen, die wir ausdrücklich zur Einreichung von Beiträgen ermuntern wollen. Über die Annahme informieren wir bis Mitte November 2021. Außerdem bitten wir alle am Workshop interessierten Teilnehmer_innen, sich bis zum 16.01.2022 über die Mailadresse anmeldung@kritik-der-relationen.de anzumelden.

About

Dieser Workshop wird konzipiert, organisiert und durchgeführt von den Kollegiat_innen des DFG-geförderten Graduiertenkollegs Medienanthropologie (GRAMA) an der Bauhaus-Universität Weimar. Nähere Informationen über das Graduiertenkolleg und die Kollegiat_innen finden Sie auf der Website des Graduiertenkollegs

Contact

Bei Rückfragen und Vorschlägen sind wir jederzeit erreichbar. Bitte schreiben Sie uns unter info@kritik-der-relationen.de.

Impressum

Angaben gem. § 5 TMG:

Charlotte Brachtendorf 

Belvederer Allee 9

99423 Weimar

 

Kontaktaufnahme:

Telefon: 03643-584042

E-Mail: info@kritik-der-relationen.de

 

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